Gestern am Samstag den 13.09.2025 hatten wir eine sehr interessante Erfahrung mit einem 110 kg schweren E-Foil-Kursteilnehmer, der extra aus dem hohen Norden angereist war. Er brachte sein neues Jetwave Air 150 zu einem E-Foil-Kurs mit, um seine Fähigkeiten des im Stehen efoil fahrens zu verbessern und sich Tipps abzuholen.
Vorab:
E-Foils bewegen sich aktuell am Rand des technisch Möglichen (kurzzeitig ca. 110 Ampere Strom bei ca. 56Volt = ca. 6kw /8PS). Deshalb ist es wichtig, zunächst die E-Foil-Fahrtechnik zu beherrschen, bevor man sich kleinere, sportlichere Boards zulegt. Körpergewicht und Körpergröße spielen dabei – neben Gleichgewichtssinn und Reaktionsgeschwindigkeit – eine entscheidende Rolle. Wichtig ist möglichst schnell aus der energieintensiven Verdrängerfahrt ins Gleiten zu kommen ohne die Batterie lange mit 100 Ampere zu belasten „erhitzen“.
Erfahrungsbericht:
Der Kursteilnehmer hatte sein Jetwave Air 150 Liter bei Luxury Gadgets in Köln gekauft, nachdem er recherchiert hatte, dass Jetwave derzeit die leistungsstärksten und technisch modernsten jet-angetriebenen E-Foils herstellt. (Nach unserer Erfahrung übertrifft Jetwave damit aktuell sogar die Audi Aerofoils in Sachen Leistung und Fahrqualität deutlich.)
Wir bei efoilmasters bevorzugen allerdings den klassischen Schraubenantrieb, weil der Jetantrieb trotz zweier unbestreitbarer Vorteile *…
- unempfindlicher bei Grundberührungen oder bei kleinem Treibgut (da die Schraube gekapselt ist)
- sicherer bei versehentlichem Kontakt mit Gliedmaßen
… auch entscheidende, physikalisch bedingte Nachteile hat:
- rund 20 % weniger Leistung und Effizienz im Vergleich zum Schraubenantrieb
- etwa 20 % höherer Energieverbrauch durch größere hydrodynamische Reibungsverluste
- ruppigeres Anfahren und Abbremsen, was es für Anfänger schwieriger macht
- keine Möglichkeit, wellengetrieben ohne Antrieb zu surfen, da weder Falt- noch Trueglide-Propeller montiert werden können und der klobigere Jetantrieb zusätzlichen Widerstand im Wasser erzeugt
(*Grundberührungen und Verletzungen sollten ohnehin vermieden werden; die häufigsten Verletzungen entstehen nicht durch die Schraube, sondern durch die scharfen Foils.)
Jetwave hat versucht, insbesondere die Power zu optimieren, erreicht jedoch nach wie vor nicht die Effizienz schraubenangetriebener E-Foils. Das zeigte sich auch im Kurs: Der Teilnehmer probierte zum Vergleich ein deutlich günstigeres, kleineres 130 Liter Anfänger-eFoil und kam damit überraschend schnell ins Gleiten – die Power überraschte ihn sofort.
Der Teilnehmer hatte sein Jetwave Air 150 vor dem Kurs bereits mit drei Akkuladungen im Liegen und Knien getestet. Mit 110 kg Körpergewicht und 1,90 m Größe ist das Erlernen des E-Foilens allerdings wesentlich schwieriger als bei Personen unter 80 kg. Er berichtete von guten Fortschritten und von rund 60 Minuten Fahrzeit pro Akkuladung.
Als er nun bei uns in Mannheim am Neckar im Beginner-Modus, aber mit maximaler Powerstufe 15, versuchte, im Knien ins effiziente Gleiten zu kommen, waren wir alle überrascht, wie träge das große, 150 Liter fassende Jetwave Air reagierte. Zunächst holten wir das Board aus dem Wasser, weil wir vermuteten, dass vielleicht Pflanzen den Jet verstopften oder andere technische Probleme vorlagen. Das war jedoch nicht der Fall.
Obwohl die maximale Powerstufe 15 eingestellt war, schaffte es das breite, aufblasbare Board lange nicht, die energieintensive Verdrängerfahrt zu verlassen und ins Gleiten zu kommen. Der 110 kg schwere Anfänger verbrauchte in nur rund 20 Minuten Fahrzeit bereits 36 % Akkukapazität, ohne erfolgreich „abzuheben“.
Als unser (leichterer) E-Foil-Trainer das Jetboard testete, empfand auch er den 150-Liter-Rumpf als träge und schwach, insbesondere bei Gegenwind. Es wurde nachvollziehbar, warum es dem Teilnehmer – der am Meer zuvor sehr erfolgreich war – am Neckar so schwerfiel.
Mit 110 kg Körpergewicht, dem großen Rumpf und dem Jetantrieb im Süßwasser bewegte sich der Anfänger schlicht im elektrotechnischen Grenzbereich und benötigte 300–400 Meter energieintensive Verdrängerfahrt, um mit Mühe die Gleitgeschwindigkeit (Take-Off-Speed) zu erreichen.
Dass er am Meer mit derselben Konfiguration deutlich erfolgreicher war, erklären wir uns mit der höheren Dichte des Salzwassers im Vergleich zu Süßwasser. Durch die Wellen und die höhere Dichte hat das Meer wesentlich mehr Auftrieb, was das „Fliegen“ erleichtert. In der Regel kann man dort mit ein bis drei Powerstufen weniger E-Foil – Fliegen als im Süßwasser. (Auch Sportboote sind auf dem Meer oft schneller und sparsamer als auf einem Süßwasser-See/ Fluss.) Eine kleine Verbesserung brachte das Umschalten in den Sportmodus des Jetwave Antriebes – was den Antrieb etwas ruppiger machte und so den schweren Fahrer etwas schneller zu Verdrängerfahrt bei maximaler Powerstufe brachte.
Die Stehversuche mit dem Jetwave E-Foil wurden bei 64 % Akkustand erfolglos abgebrochen. Zum Abschluss probierte der Teilnehmer unser um 20 Liter kleinere Anfänger-E-Foil mit Schraubenantrieb aus – und kam schon nach 30 Metern ins Fliegen. Auch seine Lebensgefährtin bemerkte sofort die deutlich schnelleren Efolge, was natürlich schwer zu akzeptieren ist, wenn man gerade in ein neues High-End-Jetwave E-Foil investiert hat.
Leider begrenzte eine zuvor beim Kitesurfen zugezogene Schulterverletzung die Ausdauer des Kurses, sodass wir nur ein wenig an der Verbesserung seiner E-Foil-Fähigkeiten arbeiten konnten.
Unser Fazit:
Allen großen und schweren E-Foil-Interessenten raten wir: Macht unbedingt vor dem Kauf einen E-Foil-Kurs und testet verschiedene Modelle. Jetwave-E-Foils gehören aktuell sicher zu den besten am Markt – sind aber nicht für jeden Anfänger geeignet. Später, wenn man das E-Foilen beherrscht und weiß, wie man das Board schnell aus dem Wasser drückt, spielen Boardgröße und Material nur noch eine untergeordnete Rolle, da man nur die Foils zum Fliegen nutzt. Bis dahin braucht es jedoch einige Akkuladungen Übung – die man möglichst verletzungsfrei absolvieren sollte.
Beim Jetwave Air ist jedoch möglich später auf kleinere (unempfindlichere, weichere) Air Rümpfe oder gar sportliche Carbon-Rümpfe umzubauen – aber bis dahin ist es wesentlich schwerer (und eventuell auch Verletzungsintensiver) mit dem „falschen“ Anfänger-Efoil-Setup, das Efoilen zu erlernen.
Wir hoffen, dass dieser Bericht anderen hilft die Tücken des Efoil Lernens besser zu verstehen und nicht nur auf technische Details beim Kauf zu achten, sondern auch auf die eigenen körperlichen Vorraussetzungen.
Fragen, Anregungen, eigene Erfahrungen, Kritik beantworten wir gerne in den Kommentaren.
Hier noch ein kurzer Videoausschnitt der die Schwierigkeiten festgehalten hat. Hier sieht man wie das massive Board in der Verdrängerfahrt trotz maximaler Leistungsstufe 15 kämpft um in Gleitfahrt zu kommen, da der Fahrer dann bei zu niedriger Geschwindigkeit abhebt ist das Board zunächst sehr instabil – was es schwierig macht sich auf dem Board zu halten. (bitte das Lachen am Ende entschuldigen – vom Ufer ist die Theorie immer sehr leicht – aber für große schwere Anfänger ist efoilen um ein Vielfaches schwerer zu erlernen als für kleine leichte Fahrer (oftmals Frauen) – weil durch den Hebelsatz vielfache Kräfte auf die Foils wirken.)


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